Rohstoff- und Energiepreisanstieg infolge geopolitischer Spannungen setzt Straßenbau massiv unter Druck

Bonn, Berlin, April 2026 – Die deutsche Asphalt- und Straßenbaubranche sieht sich infolge anhaltender geopolitischer Spannungen im Nahen Osten mit erheblichen wirtschaftlichen Belastungen konfrontiert. Insbesondere die Eskalation im Umfeld des Iran-Konflikts führt zu einem deutlichen Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise und belastet damit die gesamte Wertschöpfungskette im Straßenbau. Der Deutsche Asphaltverband e. V. (DAV) sieht mögliche Auswirkungen auf Infrastrukturprojekte und unterstreicht die Bedeutung geeigneter politischer Rahmenbedingungen zur Stabilisierung der Märkte sowie zur Sicherstellung von Versorgungs- und Planungssicherheit.

Energie- und Bitumenpreise steigen deutlich – Kostenbelastung verschärft sich

Seit Beginn der jüngsten geopolitischen Zuspitzung sind die Preise auf den internationalen Rohölmärkten deutlich gestiegen. Die Notierungen für Brent-Rohöl haben im Zuge der aktuellen geopolitischen Entwicklungen deutlich zugelegt und bewegen sich zeitweise auf einem erhöhten Niveau. Diese Entwicklung wirkt sich unmittelbar auf petrochemische Vorprodukte wie Bitumen aus – einen unverzichtbaren Grundstoff für die Asphaltproduktion. Infolge gestiegener Beschaffungskosten, erhöhter Transportpreise sowie krisenbedingter Risikoprämien sind Bitumenpreise in zahlreichen Regionen weltweit deutlich angestiegen. Auch in Deutschland verzeichnet die Branche signifikante Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr. In vielen Fällen sehen sich Unternehmen gezwungen, in Ausschreibungsverfahren entsprechende Risikoaufschläge zu kalkulieren.

„Die Dynamik bei Energie- und Rohstoffkosten ist historisch außergewöhnlich und gefährdet die wirtschaftliche Stabilität zahlreicher mittelständischer Unternehmen im Asphaltstraßenbau“, erklärt Marco Bokies, Geschäftsführer des DAV. Neben der Entwicklung der Bitumenpreise tragen auch steigende Energiekosten sowie höhere Aufwendungen für Zuschlagstoffe und Logistik zu einer erheblichen Kostensteigerung im Straßenbau bei.

Globale Lieferketten unter Druck – zunehmende Volatilität

Die aktuelle Lage im Persischen Golf betrifft einen der zentralen Knotenpunkte des globalen Energiehandels. Insbesondere der Seeweg durch die Straße von Hormus ist für einen erheblichen Anteil des weltweiten Rohöltransports von strategischer Bedeutung. Störungen in dieser Region führen zu Versorgungsunsicherheiten, steigenden Versicherungs- und Transportkosten sowie verlängerten Lieferzeiten. Diese Effekte wirken sich zunehmend auch auf energieintensive Industrien in Deutschland aus. Internationale Wirtschafts- und Finanzinstitutionen warnen zudem vor einer anhaltend hohen Volatilität auf den Rohstoff- und Energiemärkten. Eine weitere Eskalation könnte die Preisentwicklung zusätzlich verschärfen und bestehende Lieferkettenrisiken verstärken.

Politische Maßnahmen reichen bislang nicht aus

Das Bundesministerium für Verkehr verweist auf bestehende Instrumente zur Abbildung von Preisentwicklungen in Bauverträgen, insbesondere auf Stoffpreisgleitklauseln gemäß Vergabehandbuch (HVA B-StB). Diese werden grundsätzlich als geeignetes Instrument zur Berücksichtigung von Preisrisiken eingeordnet. Die aktuelle Marktlage zeigt jedoch deutlich, dass diese Mechanismen in ihrer bestehenden Ausgestaltung und Anwendung nicht ausreichen, um die derzeitige Dynamik bei Energie-, Rohstoff- und Logistikkosten angemessen abzubilden. Dies führt in der Praxis zu erheblichen Unsicherheiten in der Kalkulation und Vergabe von Infrastrukturprojekten. Der Deutsche Asphaltverband hält daher eine konsequente Anwendung sowie eine praxisgerechte Weiterentwicklung der bestehenden Regelungen für erforderlich, um belastbare Rahmenbedingungen für Planung und Umsetzung im Straßenbau sicherzustellen. „Nur so können Unternehmen kurzfristig auf volatile Marktbedingungen reagieren“, André Täube, Geschäftsführer des DAV.

Klimatransformation im Spannungsfeld steigender Kosten

Parallel zu den aktuellen Marktentwicklungen steht die Branche weiterhin vor der Herausforderung, ihre Produktionsprozesse im Sinne der Klimaziele weiterzuentwickeln. Steigende Energiepreise – insbesondere für Gas und Öl – erhöhen jedoch den wirtschaftlichen Druck auf Unternehmen. Dies führt in einzelnen Fällen zu einem verstärkten Einsatz konventioneller Energieträger in der Produktion und kann damit Zielkonflikte zwischen ökologischer Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Tragfähigkeit verstärken. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Entwicklung praxistauglicher und wirtschaftlich tragfähiger Transformationspfade zunehmend an Bedeutung, die Klimaziele und Versorgungssicherheit gleichermaßen berücksichtigen.

Risiken für Infrastrukturprojekte steigen

Neben der Kostenentwicklung rücken zunehmend auch Fragen der Versorgungssicherheit in den Fokus. Lieferengpässe bei zentralen Rohstoffen könnten zu Verzögerungen bei laufenden und geplanten Infrastrukturprojekten führen.

„Eine leistungsfähige Infrastruktur ist essenziell für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Projektverzögerungen müssen unter allen Umständen vermieden werden. Dafür braucht es jetzt verlässliche politische Rahmenbedingungen“, so Täube.

Handlungsbedarfe aus Branchensicht

Vor diesem Hintergrund formulieren der Deutsche Asphaltverband e. V. (DAV) und das Deutsche Asphaltinstitut (DAI) folgende zentrale Forderungen:

  • Konsequente und flächendeckende Anwendung von Stoffpreisgleitklauseln im Asphalt- und Straßenbau
  • Absenkung von Aufgreifschwellen bei anhaltender Krisenentwicklung
  • Unbürokratische Anpassung bestehender Verträge an aktuelle Preisentwicklungen
  • Strategische Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung
  • Stärkung der Planungs- und Investitionssicherheit als Grundlage für Transformation und Innovation